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Mittwoch, 28. März 2012

Negative Campaigning im Social Web

Heute bin ich auf ein recht hirnloses Beispiel von "negative campaigning" im Social Web gestoßen. Die Ruhrbarone machten gestern in einem Artikel auf die Facebook Kampagne Weniger Kraft aufmerksam.
Dort wird Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in einer infantilen Art und Weise schlecht gemacht. Entsprechend ist das Echo in den Kommentaren der Seite. Von der CDU NRW gibt es bislang keine Stellungnahme. Mittlerweile hat sich jedoch eine Werbeagentur als Initiator zu erkennen gegeben. Die Motivation hinter diesem "ehrenamtlichen Engagement" sei rein privater Natur.

Die Agentur sitzt in Rheinland-Pfalz, Wiesbaden und Berlin. Da stellt sich natürlich die Frage, warum sie sich so stark für die nordrhein-westfälische Landespolitik einsetzen. Sie handelten ohne Auftraggeber, so die Agentur. Im Kundenstamm auf ihrer Homepage taucht auch keine CDU auf. Wenn man allerdings im Google-Cache danach sucht...taucht sie auf.
Mittlerweile haben mehrere Onlinequellen mit großen Reichweiten das Thema aufgegriffen, u.a. Thomas Knüwer und Meedia. Wer auch immer der Auftraggeber war oder ob die Kampagne privat initiiert war - sie war ein ganz tiefer Griff ins kommunikative Klo. Die Jungs der Werbeagentur sind wohl die aggressiven Netzvandalen, von denen Norbert Lammert immer spricht.

Dienstag, 13. September 2011

Music tip - Foster the people

Nachdem MTV ja bekanntlicherweise die Segel gestrichen hat und mit der Umstellung auf Paid Content den unweigerlichen Weg in den Ruin gegangen ist - gibt es wenig bis keine Musik mehr im Fernsehen zu sehen, wobei dort ja ohnehin fast nur noch Serien liefen.

Was waren das für Zeiten, als Jedermann über bahnbrechende Musikvideos sprach: Thriller (Michael Jackson), bitter sweet symphony (The Verve) oder Here it goes (OK Go) sind nur einige Beispiele. Zwar bietet das Netz Alternativen wie beispielsweise Tape.tv - jedoch bot die Fernsehlandschaft bislang wenig bis keine Alternativen. Über Astra empfängt man den österreichischen Sender Go.tv, der mich bislang wirklich überzeugt. Gestern bin ich dort auf Foster the people gestoßen - I like!

Mittwoch, 31. August 2011

Investigativer Journalismus? Auf jeden Fall ein guter Konter!

Bereits heute morgen berichtete HR-Info über den über den SWR-Bericht von Report Mainz über schwere Tierschutzverletzungen beim Geflügelproduzenten Wiesenhof. Ich habe den Bericht noch nicht gesehen - und möchte mir noch keine endgültige Meinung dazu bilden - jedoch hat Wiesenhof das Issue erkannt und mit einem meines Erachtens gelungenen Gegen-Beitrag in seinem Newsroom auf Youtube veröffentlicht hat.


Der in dem Video auftretende Sprecher Frank Schroether ist Vorstandsmitglied bei der Engel und Zimmermann AG in Gauting, welche auch den Social Media Newsroom für Wiesenhof geschaffen hat. Es gelingt ihm, die Glaubwürdigkeit der Journalisten in Frage zu stellen (u.a. durch ein Filmen der Journalisten und das in Frage stellen des Arbeitstitels). Gleichzeitig holt er Landrat und Bürgermeister mit ins Boot - Third-Person-Speaking - und natürlich spielt ihm auch die Einbruchserie bei Wiesenhof in die Karten und liefert somit ein weiteres Mosaik dafür, die Vorgehensweise der Journalisten zu konterkarieren.

Ich bin gespannt, wie sich die Sache weiter entwickelt. Auf jeden Fall ist im Netz auch die Antwort von Wiesenhof nicht unbeachtet geblieben:

Dienstag, 26. Juli 2011

Journalistische Sorgfaltspflicht der WN...und mit Social Media klappt es auch nicht so...

Immer noch sind die schrecklichen Ereignisse des Attentats von Oslo omnipräsent in den Medien. Teilweise sind die Journalisten in ihrer Berichterstattung etwas voreilig gewesen, was Stefan Niggemeier in einem Artikel über einen Kommentar vom Chefredakteur der Westfälischen Nachrichten treffend verdeutlicht.
Ich wollte eben die WN mit dem Artikel konfrontieren und schauen, ob sie ihre voreilige Schreibe wenigstens auf ihrer Facebook-Seite kritisch reflektieren und in den Dialog treten, nachdem sie den Ursprungs-Artikel auf ihrer Webseite schon kommentarlos gelöscht haben. Also habe ich Herrn Niggemeiers Artikel auf die Seite gepostet mit der Frage: "Hallo, ich wollte fragen, was Sie zu folgendem Artikel sagen?". Leider habe ich keinen Screenshot gemacht - denn nur 30 Sekunden später war er gelöscht. Anscheinden versteht auch dort keiner etwas von den Prinzipien des Social Webs - was mich zu folgendem Post veranlasst hat (diesmal mit Screenshot):

Selbe Aktion - selbe Reaktion. Keine 2 Minuten später war auch dieser offline. Anscheinend nimmt man es nicht nur mit der journalistischen Sorgfaltspflicht bei der WN nicht so ernst, sondern auch mit dem kritischen Hinterfragen der eigenen Arbeitsweisen und der Nutzung des dialogischen Potentials des Social Webs.

Donnerstag, 14. Juli 2011

Google+ und der Regierungssprecher

Die Meldung sprach sich heute relativ schnell rum im Netz. Regierungssprecher Steffen Seibert hat Google+ für sich entdeckt. Wer sich sein Profil genauer ansah, erkannte schnell, dass es sich um ein Fake-Profil handelt.

Steffen Seibert ist ein moderner Regierungssprecher. Er zwitschert fleißig, was nicht bei allen Hauptstadtjournalisten gut ankommt. 485 Tweets hat er bis heute rausgehauen und 31.461 Follower hat er vorzuweisen. Nun also google+? spätestens bei folgendem Post, musste ich dann doch schmunzeln... Wer kennt sie nicht- die Email aus Afrika, in denen man benachrichtigt wird, ein lang verschollener Nachfahre eines Deutschen im Kongo zu sein, auf den ein Millionen-Erbe wartet?

Kanzlerin trifft gleich Charles Mbongo, Vice Chairmen of Nigeria Trust Bank. Offenbar geht es um ein verlorenes Konto eines verstorbenen Deutschen und seine Rückführung nach Dtl. Die Reg. wird dieses sorgf. Angebot prüfen!

Meedia berichtete dann relativ schnell, dass es sich um einen Fake-Account handele. Doch wer steckt hinter dieser gelungenen Satire? Kein geringerer als Titanic-Chefredakteur Leo Fischer. Bereits im vergangenen Jahr sorgten die Burschen für Erheiterung in der Netz-Community. Damals erstellte die Titanic einen Twitter-Account für die Schauspielerin Martina Gedeck, die in der Bundesversammlung zur Wahl des neuen Bundespräsidenten saß, und zwitscherte munter drauf los: Indiskrete Einzelheiten, falsche Vorab-Ergebnisse und weiteren feinsten Nonsens. Damaliger Kommentar von Leo Fischer: Man habe dem "weichen Knödel" Wulff ein bißchen "scharfe Soße" beigeben wollen.

Mehr Nonsens- und zwar non-stop!

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Nachtrag:

Danke für den Hinweis Herr Septem: Auch ein sehr enger Freund von mir hat einst einen Fake-Twitter-Account erstellt, dem damals die Rheinzeitung in Gestalt von Chefredakteur Christian Lindner (@RZchefredakteur) auf den Leim gegangen ist. Kein geringerer als Bild-Chefredakteur Kai Diekmann war damals am twittern - in Form meines Kumpels.

Ein simpler Anruf in der BILD-Redaktion hätte gereicht, um sicher zu stellen, dass es sich um Herrn Diekmann handelt. Dieser Anruf war Herrn Lindner anscheinend zu viel. Stattdessen rühmt sich seine Zeitung, dass er ihn als erstes entdeckt habe.

Der Coup von meinem engen Freund Herrn Septem wurde hier komplett aufbereitet.

Mittwoch, 1. Juni 2011

Hofbericht über eine seelenlose Kaffee-Kette

Wer unsere Philosophie von LUUPS kennt (Liebe Deine Stadt) - wird sicher wissen, dass uns mit unserem Buch die individuellen Kneipen, Restaurants, Clubs und Kultureinrichtungen am Herzen liegen. Dies hat zur Konsequenz, dass wir uns entschieden gegen System-Gastronomie stellen. Umso mehr musste ich mich gestern ärgern, als ich folgenden Artikel in der Allgemeinen Zeitung sah:

Nun hat es also auch Mainz erwischt und der seelenlose Kaffeeröster Starbucks eröffnet eine Filiale in Mainz. Grund genug, zumindest aus Sicht der Allgemeinen Zeitung, einen Aufmacher-Artikel auf dem Online-Auftritt zu platzieren. Ich schätze die Autorin des Artikels, Maike Hessedenz, sehr. Dennoch verwundert mich die recht offensichtliche PR für Starbucks. Kult-Gastronomie???

Nicht nur der Kaffee lockt die Kunden in die Läden, sondern auch die Starbucks-Accessoires, wie die City Mug. Die Mainzer Starbucks-Fans dürfen gespannt sein, ob es demnächst auch eine Mainz-Version der Sammlerobjekte gibt.

Fragwürdig finde ich auch, dass die AZ auch noch Personalrecruiting für Starbucks betreibt und quasi eine Gratis-Stellenanzeige schaltet.

"Personal sucht das Unternehmen für das Mainzer Café jedenfalls schon: Am Dienstag findet von 10 bis 17 Uhr im Ibis Hotel in der Holzhofstraße ein „Starbucks Karriere-Bewerber-Tag“ statt. Gesucht werden unter anderem Baristas, Shift Supervisors oder Assistant Store Manager"

Bei Facebook wird der Artikel mit der Überschrift "Es wird schon Personal für das neue Cafe an der Römerpassage gesucht".

Wenn schon so offensichtlich ein Artikel durch Starbucks lanciert wird, warum nicht gleich weiter machen? Heute gleich der nächste "Starbucks-Aufmacher" auf der AZ Webseite - natürlich propagiert auf allen Social-Media-Kanälen.

Stellt sich die Frage, was das Geheimnis daran sein soll? Ich bin gespannt, was es morgen für brandheiße News über die seelenlose Kaffee-Kette. Wie wäre es mit einem Artikel über den Umgang mit seinen Mitarbeitern oder die durch Handelsketten und Systemgastronomie verursachte Angleichung von deutschen Innenstädten?

Mittwoch, 25. Mai 2011

Krisenbewältigung von Herrn Kaiser

Die ERGO-Versicherungsgruppe war in den letzten Tagen mehrfach Gegenstand der Medienberichterstattung. Es begann mit ausschweifenden Sex-Parties in einer Budapester Therme, die als Incentive galten. Die Top-100 Verkäufer wurden mit Prostituierten belohnt. Passt irgendwie zum Image des schmierigen Versicherungs-Vertreters- und ist gleichzeitig ein ziemlich konträres Bild zum seriösen und freundlichen Herrn Kaiser der Hamburg-Mannheimer.

In einer Pressemitteilung vom 19.5. gesteht die ERGO Versicherungsgruppe ein, dass solche Reisen des Tochterunternehmens Hamburg-Mannheimer International (HMI) im Jahr 2007 stattgefunden haben. Sie verweist gleichzeitig auf den ERGO Verhaltenscodex, in dem ein ethisch korrektes Verhalten aller Mitarbeiter erwartet wird. Soweit - so gut. Schuldeingeständnis - Entschuldigung - Verantwortungsübernahme.

Gestern dann veröffentlichte die BILD ein Video, auf dem ein HMI-Mitarbeiter in einem Club zusammen mit einer Dame auf dem Schoß eine weiße Substanz durch die Nase zieht. Das Video wurde mittlerweile im Beitrag entfernt.

Die heute gestern zu diesem Vorfall veröffentlichte Pressemitteilung verwundert mich dann doch mehr und kommt ein wenig unglaubwürdig daher. Ich bin mir nicht sicher, ob sie der Wiederherstellung von Vertrauen dient...

"Die Berichterstattung in der heutigen Ausgabe der BILD-Zeitung, wonach Handelsvertreter der Hamburg-Mannheimer auf sog. Top 5 Reisen Kokain konsumiert hätten, ist unwahr. Die von der BILD-Zeitung veröffentlichten Fotos zeigen ein Trinkspiel mit Salz, Tequila und Zitronensaft. Dazu gehört das Einschnupfen von Salz durch die Nase. Bei den Handlungen der Akteure auf den von der BILD-Zeitung veröffentlichten Fotos handelt es sich nicht um den Konsum von Kokain. Der ERGO liegen dazu inzwischen auch eidesstattliche Versicherungen von auf den Lichtbildern abgebildeten Personen vor."

Mittwoch, 18. Mai 2011

Continental und Social Media

Aufgrund des Themas meiner Doktorarbeit bin ich ja immer wieder auf der Suche nach Social-Media-Shitstorms. Durch Zufall bin ich heute auf die Facebook-Seite meines alten Arbeitgebers der Continental AG gekommen - wo sich auf der Pinnwand gerade einiges tut. Das dargestellte Bild findet sich u.a. auf der Pinnwand- neben Beschimpfungen, Youtube-Videos und Aufrufe zur Unterzeichnung einer Petition.

Hintergrund: Vor gut 2 Jahren gab es in Frankreich einen Arbeitskampf. Continental wollte damals sein Reifenwerk in Clairoix schließen, was die Arbeitnehmer, denen eine Entlassung drohte, verhindern wollten - Reifenberge wurden angezündet und Büros verwüstet. Der damalige Streikführer und Gewerkschaftler Xavier Mathieu wurde in der Folgezeit dazu verurteilt, eine DNA-Probe abzugeben - der er sich jedoch mit dem Hinweis auf Persönlichkeitsrechte verweigert. Dazu findet momentan ein Prozess statt, der in Frankreich bereits einige Medienberichte nach sich gezogen hat (z.B. hier, hier und hier).

Auf der Facebook-Seite solidarisieren sich mittlerweile einige Nutzer und posten seit gestern früh Petitionen pro Mathieu, Videos und Conti-Schmähungen auf der Seite. Die Unternehmenskommunikation hat bislang noch nicht reagiert. Dennoch müssen sie den Protest aber bemerkt haben, denn es wurden vier aktive Meldungen seitens Conti seit Beginn des Protests veröffentlicht - die Themen sind dabei u.a. eine Meldung über ein neues Werk in China, neue Investments oder die Vorstellung einer Iphone-App. Von dialogorientierter Kommunikation und Umgang mit auftretenden Protest-Kulturen im Social Web leider keine Spur.

Ich bin gespannt, wie sich das weiter entwickelt und ob Conti reagiert. Protestkultur wird in Frankreich ja bekanntlich groß geschrieben.

***************************Update: 19.05.2011 - Conti hat reagiert***************************

Wie ich gestern gesehen habe, hat Conti mittlerweile reagiert. Am 19.05.2011 wurde eine Meldung auf der Facebook-Seite gepostet:

We will now be deleting all posts that are an active call for spam posting, since we feel that such behavior is not in keeping with netiquette. We would like to know if you feel we are dealing with this correctly. If you do, please click the "Like" button.

Der Post enthält einen Link zur Conti-Homepage, in der sie für einen offenen Dialog plädieren, sich aber entschieden gegen SPAM aussprechen. Darüber hinaus reagiert Pressesprecher Hannes Boekhoff mit seinem Facebook-Account persönlich auf dazu veröffentlichte Kommentare. Wieder was gelernt!

Donnerstag, 7. April 2011

Super Mario lebt!

Ich bin etwas im Verzug mit meinem Reisebericht aus Tansania. Momentan bastele ich noch an einer kleinen Diashow, die aber in den nächsten Tagen fertig sein wird.

Bis wollte ich Euch dieses Video als kleinen Zeitvertreib für einen sonnigen Donnerstag-Nachmittag im Büro zeigen. Als Kind, das in den 80er Jahren aufgewachsen ist, war ich selbstverständlich passionierter Super-Nintendo-Spieler und bin mit Mario durch seine bunte Welt gesprungen. Erfreut hat mich deshalb dieses kleine Video, auf der ein paar Parkour-Jungs sich austoben. Enjoy!

Montag, 28. Februar 2011

Causa Guttenberg

Ich habe die letzten 2 Wochen intensiv über die Causa Guttenberg diskutiert. Ohne meinen eigenen Senf hier auf dem Blog dazu zu geben, möchte ich doch zwei Sachen posten, die meine Meinung auf den Punkt treffen. Zunächst ein Interview mit Prof. Dr. Oliver Lepsius, Staatsrechtler an der Uni Bayreuth, der die Plagiatsaffäre und den Umgang Guttenbergs mit seiner Schuld treffend analysiert. Darüber hinaus spricht mir der darauf folgende offene Brief an Kanzlerin Merkel insbesondere als Wissenschaftler und Doktorand aus der Seele:

Und hier der offene Brief an Kanzlerin Merkel:

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

als Doktorandinnen und Doktoranden verfolgen wir die gegenwärtige Diskussion um die Plagiatsvorwürfe gegen den Bundesminister der Verteidigung, Herrn Karl-Theodor zu Guttenberg, mit großer Erschütterung und noch größerem Unverständnis. Wir haben den Eindruck, dass Sie mit aller Macht versuchen, einen Minister zu halten, der trotz massiver Gegenbeweise immer noch die Behauptung aufrecht erhält, er habe in seiner Doktorarbeit nicht bewusst getäuscht.

Mit dieser Vorgehensweise beschädigen die Bundesregierung und die Abgeordneten der Koalition nicht nur sich selbst, sondern viel mehr.Zu Guttenberg musste bereits in der letzten Woche mehrfach Abstand von seinen zuvor beteuerten Aussagen in Bezug auf seine Dissertation nehmen. Die Internetgemeinde hat es in einer beispiellosen Art und Weise geschafft, eine Vielzahl von eindeutigen Plagiaten in der Dissertation von Herrn zu Guttenberg zu belegen. Diese Indizien sind von jedermann einzusehen und überprüfbar. Es nimmt kaum Wunder, dass sich Plagiatsexperten darüber einig sind, dass man hier nicht mehr von einigen „peinlichen Fehlern“ reden kann. Es handelt sich um massive, systematische Täuschung. Zu Guttenberg hat große Teile seiner Dissertation – und dies offenbar mit großem Ehrgeiz – zusammenkopiert und Quellen vertuscht, um sich den Doktortitel zu erschleichen, mit dem er dann nicht zuletzt auf Wahlplakaten geworben hat. Die Universität Bayreuth hat diesen Vorwurf nicht ausräumen können. Angesichts des Umfangs und der Anzahl der Plagiate wissen Sie genauso gut wie wir, dass am Ende der genauen Überprüfung durch die Universität nur ein Ergebnis stehen kann, was die Täuschungsintention des Ministers angeht. Man kann dies nicht „unbewusst“ tun.

Diese Täuschung als solche zu benennen, hat dabei nichts mit der Zugehörigkeit des Ministers zu einer bestimmten Partei zu tun. Auch von den Politikern der Opposition würden wir den Rücktritt als Minister fordern, hätten sie ihr Ehrenwort gegeben, ihre wissenschaftliche Leistung eigenständig und nur unter Zuhilfenahme der angegebenen Hilfsmittel erstellt zu haben, und dann trotzdem in massiver Weise dagegen verstoßen.

Herr zu Guttenberg hat am 23. Februar 2011 in der Aktuellen Stunde im Deutschen Bundestag darauf verwiesen, er wolle nur nach seiner Tätigkeit als Verteidigungsminister beurteilt werden. Er hat dabei auf eine Formulierung von Ihnen angespielt, wonach Sie ihn nicht als „wissenschaftlichen Assistenten“ eingestellt hätten.

Dies ist eine Verhöhnung aller wissenschaftlichen Hilfskräfte sowie aller Doktorandinnen und Doktoranden, die auf ehrliche Art und Weise versuchen, ihren Teil zum wissenschaftlichen Fortschritt beizutragen. Sie legt darüber hinaus nahe, dass es sich beim Erschleichen eines Doktortitels um ein Kavaliersdelikt handele und dass das „akademische Ehrenwort“ im wirklichen Leben belanglos sei.

Bei der Beachtung der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis geht es nicht um „Fußnoten“, nicht um Kinkerlitzchen, die angesichts größerer politischer Probleme vernachlässigenswert sind. Es geht um die Grundlagen unseres Arbeitens und Vertrauenswürdigkeit. Wir bemühen uns daher in unserer eigenen Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen, diesen hohen Anforderungen jederzeit nachzukommen. Wenn wir dies nicht tun, laufen wir (zu Recht) Gefahr, von der Universität verwiesen zu werden.

Die meisten von uns unterrichten zudem jüngere Studierende. Nicht selten ist es unsere Aufgabe, ihnen die Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens zu vermitteln. Wir halten die Studierenden dabei dazu an, von Anfang an sehr genau darauf zu achten, korrekt zu zitieren und jedes Hilfsmittel als solches kenntlich zu machen. Wir tun dies nicht, weil wir „Fußnotenfanatiker“ sind oder im „Elfenbeinturm“ sitzen und nicht wissen, was im wahren Leben zählt. Es geht uns schlicht darum, das Verständnis dafür weiterzugeben, dass wissenschaftlicher und damit gesellschaftlicher Fortschritt allein dann möglich ist, wenn man sich auf die Redlichkeit in der „scientific community“ verlassen kann. Verstoßen unsere Studentinnen und Studenten gegen diesen Kodex, sind wir gehalten, ihre Prüfungsleistung als ungenügend zu bewerten. Bei erneutem Verstoß droht in aller Regel die Exmatrikulation. Nach einer solchen Entscheidung bleibt der Eintritt der Betroffenen in viele Berufe zurecht verwehrt – auch in Berufe, in denen die persönliche Integrität weniger bedeutend sein mag als im Amt des Bundesverteidigungsministers.

Vielleicht sind wir altmodisch und vertreten überholte konservative Werte, wenn wir die Auffassung hegen, dass Aufrichtigkeit und Verantwortungsbewusstsein Werte sein sollten, die auch außerhalb der Wissenschaft gelten sollten. Herr zu Guttenberg schien bis vor kurzem auch dieser Meinung zu sein.

Forschung leistet einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung. Redliche und innovative Wissenschaft ist eine Grundlage des Wohlstands in unserem Land. Wenn der Schutz von Ideen in unserer Gesellschaft kein wichtiger Wert mehr ist, dann verspielen wir unsere Zukunft. Wir erwarten für unsere wissenschaftliche Arbeit keine Dankbarkeit, aber zumindest den Respekt, dass man unsere Arbeit ernst nimmt. Durch die Behandlung der Causa Guttenberg als Kavaliersdelikt leiden der Wissenschaftsstandort Deutschland und die Glaubwürdigkeit Deutschlands als „Land der Ideen“.

Möglicherweise aber halten Sie unseren Beitrag zur Gesellschaft schlicht für vernachlässigenswert. Dann möchten wir Sie aber bitten, in Zukunft nicht mehr von der von Ihnen selbst ausgerufenen „Bildungsrepublik Deutschland“ zu sprechen.

Mit freundlichen Grüßen
Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner

Die Original-Seite mit dem offenen Brief findet ihr hier.

Donnerstag, 25. November 2010

Bildzeitung und die Google Ads

Ich mag die Google-Ads. Sie passen immer so schön zum jeweiligen Beitrag, wie dieses Beispiel von Bild-online beweist... Dieser verdammte Krebs! Die Bild schrieb zum Tod der berühmtesten Hure Molly: "Dieser verdammte Krebs". Anbei eine kleine Sammlung der dazu angezeigten Google-Ads: Haben Sie Krebs? Kein Problem! Versuchen Sie es mit der weltweit anerkannten Misteltherapie!

Molly ist über die Wupper gegangen und Sie suchen nach passenden Worten zu ihrem Abschied? Kein Problem! Bei uns werden Sie fündig, wenn Sie Sprüche zum Abschied suchen! Molly hatte leider Darmkrebs - doch auch schon zuvor machte ihr die Darmflora zu schaffen, was sich im Entweichen unangenehmer Gase geäußert hatte. Dennoch hat sie ihren Spaß am Leben nie verloren und hätte sicher heute noch Spaß am Online-Spiel Freggers: Rülpsen und Furzen in 3D!

Montag, 30. August 2010

Mainzer Regionalpresse - zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Ich habe das Glück, in einer Stadt zu leben, in der zwei regionale Tageszeitungen erscheinen. In Zeiten starker Konzentration auf dem Pressemarkt ist das nicht selbstverständlich und man sollte meinen, die Konkurrenz belebe das Geschäft.

In Mainz scheint das jedoch nicht der Fall zu sein. Seit Jahren kämpft dort die Mainzer Rheinzeitung mit sinkenden Verkaufs- und Abonnentenzahlen. Betrachtet man die Abo-Zahlen, so sind diese laut IVW in den vergangenen 12 Jahren von rund 10.000 (1. Quartal 1998) auf mittlerweile rund 6.750 (2. Quartal 2010) drastisch gesunken. Die Verkaufszahlen zeigen ein ähnliches Bild (vgl. IVW.de).

Die MRZ rühmt sich ja immer, Vorreiter in Sachen Social Media zu sein. Christian Lindner war letztes Jahr im Rahmen der Vortragsreihe des Fachschaftsrates Publizistik bei uns an der Uni und hat darüber referiert – ein twitternder Chefredakteur, eine Facebook-Seite, Multimediaredakteure und verschiedene Blogs. An und für sich sicher ein zukunftsweisender Weg, sich auf den verschiedenen Kanälen des Social Web rechtzeitig zu positionieren. Die neuste ARD/ZDF-Onlinestudie spricht zwar davon, dass die Euphorie für das „Mitmachweb“ sinke, insbesondere was die aktive Teilnahme betrifft – dennoch sind gerade bei Wikipedia, Videoportalen und sozialen weiterhin starke Zuwachsraten in der Nutzung zu verzeichnen (vgl. Busemann/Gescheidle 2010: 362).

Ich konnte an Herrn Lindners Vortrag an der Uni leider nicht selbst anwesend sein. Denn trotz der wirklich guten Ansätze (Moe´s Blog und Videobeiträge sind super ;-) hätte ich ihn gerne mit einer drastischen Diskrepanz konfrontiert – nämlich die zwischen dem hohen Aktivitätsgrad der Rheinzeitung im Social Web und der aus meiner Sicht völlig Nutzer-unfreundlichen und auch inhaltlich schlechten Webseite:

Abgesehen von der schlechten Benutzerführung werden die meisten Artikel ausschließlich angeteasert – im Sinne von „Den Rest lesen Sie morgen in Ihrer Rheinzeitung“. Anscheinend scheint die Chefredaktion in Koblenz nicht mitbekommen zu haben, dass der Onlineauftritt einer Tageszeitung nicht substitutiv, sondern komplementär zu verstehen ist. Wie man eine gelungene Webseite für eine regionale Tageszeitung erstellt, kann man nach dem Relaunch der Allgemeinen Zeitung (www.allgemeine-zeitung.de) sehen: Übersichtlich, benutzerfreundlich und alle Inhalte sind zu finden. Das hält mich nicht davon ab, mir auch die Printausgabe zu kaufen. Nebenbei fand ich die Ankündigung des Relaunchs äußerst gelungen, als die AZ ihren Mantel komplett in ein Webseiten-Design kleidete.

Bei all den Gedanken über Social Web-Aktivitäten sollte man darüber hinaus auch das Stammprodukt der Printausgabe nicht vernachlässigen. Gestern habe ich in einem Bistro seit ein paar Wochen das erste Mal wieder eine in der Hand. Nach einem kurzen Überfliegen fielen mir auf Anhieb fünf Kleinigkeiten auf, die mal passieren können, aber in der MRZ doch recht häufig vorkommen und in einem redigierten Produkt in der Fülle nicht auftauchen sollten. Beispiele gefällig?

Ich zitiere: S. 3 – Überschrift „Ansturz am Matterhorn“: „Der Mann war aus noch ungeklärten Gründen mehrere Hundert Meter in die Tiefe gestürzt.“ Schreibt man auch nach der Rechtschreibreform klein. S. 13 – Überschrift „Spartak fordert für Fathi 2,5 Millionen“: „Bis vor vier hatte Spartak Moskau nicht einmal die Spielberechtigung für Malik Fathi zurückgefordert.“ Was? Bananen, Kartoffeln oder Weinschorlen? S.19 – Überschrift: „„Satan“ und „Erzengel“ schlagen um sich“: „Drei Stunden später viel Passanten ein 30-Jähriger an der Haltestelle Marienborner Straße auf.“ Vielleicht waren es viele Passanten, denen etwas auffiel. S. 12 – Überschrift „Der Druck wächst“: „Nochmals 90 Minuten ohne erklecklichen Ertrag,…“ – ein gängiges Wort, das jedem geläufig ist. S. 14 – Überschrift „Mainzer Marcel Noack glänzt auf Eternit“: Das Foto erinnert mich an die pixeligen Anfänge von Nintendo´s Mario in den achtziger Jahren.

Ich will nicht in den Krümeln picken – wie gesagt, ich habe die Zeitung nur kurz überflogen und das ist nicht das erste Mal, dass mir solche Flüchtigkeits-Fehler auffallen. Ich befürworte den Zweizeitungs-Kreis in Mainz und hoffe, dass er erhalten bleibt - und die Konkurrenz zwischen den beiden Blättern sich auch qualitativ auswirkt. Gleichzeitig plädiere ich aber auch für etwas mehr Sorgfalt beim Redigieren.

Just my two cents ;-)

Mittwoch, 16. Juni 2010

WM-Fieber

Das WM-Fieber scheint auch in der Online-Redaktion der ARD zu grassieren, wie dieser lustige Screen-Shot eindrucksvoll dokumentiert...es ist ihnen nicht zu verdenken!
KEINE TOTE bei Spanien gegen die Schweiz - haben sich die gefürchteten Graubündener Hooligans wohl zurück gehalten!

Mittwoch, 5. Mai 2010

Schmierenjournalismus

Vergangene Woche wollten wir ja eigentlich wieder unseren alljährlichen Freundes-Trip in den Holiday-Park starten, was jedoch auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Letztes Jahr hatten wir einen riesen Spaß dort! Eben bin ich auf einen äußerst schlechten Artikel der AZ zum Ausfall der Achterbahn "GeForce" aufmerksam geworden. Zum Hintergrund: Aus der Achterbahn mussten vergangene Woche wegen eines technischen Defekts 26 Fahrgäste befreit werden, nachdem ein Wagen aus der Spur gesprungen war. In der AZ interviewte heute Wolfgang Bürkle den Pressesprecher des Holyday-Parks zu dem Vorfall. Auf den Vorfall selbst wird nur eingangs in ganzen 5 Zeilen eingegangen. Was dann folgt ist ein Paradebeispiel von gestreuter Krisenkommunikation, die den Anschein erweckt, der Artikel sei gekauft. Nicht nur die gestellten Fragen zeigen dies deutlich:

Wie oft wird im Regelbetrieb die schon mehrfach ausgezeichnete „Expedition GeForce“ gewartet?

Sie haben ja auch einige aktuelle Attraktionen wie die Wasserstuntshow „Jim Pond H2.0“ neu im Holiday Park. Wie sind diese angelaufen?

Auch die ausgiebigen Antworten des Pressesprechers, die anscheinend ungekürzt und in anpreisender Art und Weise übernommen wurden, stehen für sich:

Unseren Besuchern ist klar, dass auch hier „Safety First“ gilt – darum haben sie Verständnis für die derzeitige Situation. Wir kommen ihnen aber mit der Eintrittspreiskampagne „Kinderpreis für Alle“ entgegen. Das bedeutet, dass Erwachsene den gleichen Eintrittspreis wie Kinder zahlen: 22,90 Euro pro Person. Diese Sonderaktion gilt solange, wie die Achterbahn „Expedition GeForce“ außer Betrieb ist. Im Eintrittspreis sind alle in Betrieb befindlichen Fahrattraktionen und Shows enthalten. Und da haben wir ja einen ganzen Mix an Angeboten, vom Teufelsfluss bis zu den Donnerfässern. Nicht alle Besucher wollen schließlich mit der „Expedition GeForce“ fahren.

Sehr gut. Besonders „Fakir India“, eine der aufwändigsten Reptilienshows Deutschlands, wird derzeit sehr gut angenommen. Vor allem natürlich, weil nach der Show auch einige der Reptilien angefasst werden können – zur Freude der jüngeren Besucher.

Mal davon abgesehen, dass ein Großteil der Besucher hauptsächlich wegen genau dieser Attraktion den Park besuchen, wundere ich mich doch sehr über die AZ, einen scheinbar gekauften Artikel zu platzieren.

Dienstag, 9. Februar 2010

LUUPS-Künstlerin wird weg-zensiert!!!

Dass Diether Bohlen und seine grenz-debile Casting-Show eine große Verarsche ist, hat man ja schon immer gewusst. RTL hat dies am vergangenen Wochenende abermals unter Beweis gestellt und LUUPS-Künstlerin Meike Büttner aus dem Programm zensiert...
Als unregelmäßiger Zuschauer der Sendung Deutschland sucht den Superstar - hatte ich bislang meist meine Schwierigkeiten, die Kandidaten auseinander zu halten. Der Protoyp des männlichen Kandidaten trug einen 5cm-Brilli im Ohr, fiel durch Prollo-Gehabe und mangelnde Englisch-Kenntnisse auf. Bei den weiblichen Kandidaten war es dann eher zentimeterdicke Schminke gepaart mit einem Lolo-Ferrari-Gehabe - siehe Annemarie Eilfeld.
In der neuen Staffel fielen mir jedoch sofort 2 Kandidaten positiv auf - der Australier Joel, der als junger Ben Harper durchgehen würde und die blonde Berlinerin Meike Büttner, die einen ihrer Songs für den LUUPS-Sampler 2010 zur Verfügung gestellt hat. Nach vielversprechenden Auftritten in den ersten Folgen war von den beiden in der letzten Sendung jedoch nichts mehr zu sehen - weder deren Auftritte, noch eine Jury-Entscheidung über ihr Ausscheiden. Ihr Auftreten fiel dem RTL-Schnitt zum Opfer. Es lebe die Zensur! Für Leute mit Format, Potential und Charakter ist dort leider kein Platz. Anderenfalls wäre RTL sicher in Erklärungsnot gekommen, warum die beiden Kandidaten nach Hause geschickt wurden.
Entsprechend äußert sich Meike auf ihrer Myspace-Seite www.myspace.com/meikebuettner:

„Echte Musiker – wie Joel und ich – müssen also an diesem Punkt der Sendung sowieso ausscheiden! Das liegt an den Verträgen, über die ich leider keine Auskünfte geben darf. Wer unter die Top 15 kommt, unterschreibt jedenfalls einen Vertrag, der für ernstzunehmende Musiker den Genickbruch bedeutet. Weil Joel – und übrigens auch ich – an diesem Abend in Schwetzingen grandios waren, muss man diese Auftritte eben raus schneiden, weil unser Rauswurf sonst nicht plausibel wäre.“

Ich sag dazu nur: Meike, Du hast alles richtig gemacht! Das ganze LUUPS-Team steht hinter Dir! Den niveaulosen Scheiß musst Du Dir nicht geben.
Bleibt die Frage - wer war nochmal Alexander Klaws?